Tapetenwechsel

Abwechslung

Ein halbes Jahr hatte ich nun meinen Arbeitsplatz in einem Gemeinschafts-Büro in der Schanze. Davor in einem Fotostudio an der Alster. Ein knappes Jahr lang. Und davor – auch für ungefähr ein Jahr – in Winterhude, gleich um die Ecke vom Mühlenkamp. Zwischendurch hab ich immer mal wieder von zu Hause, aus Cafés oder von anderen Orten gearbeitet. Ich mag diesen Tapetenwechsel. Ich brauch ihn. Vielleicht ist es die Routine, die mich so schnell kriegt und dann die Tage ähnlich aussehen lässt. Gleichen sich zwei Tage zu sehr, sind sie auf lange Sicht in der Erinnerung wie ein einziger Tag. Das kann das Jahr am Ende recht kurz erscheinen lassen.

Als ich mir vor über 10 Jahren die Domain medienstrand.de gesichert und angefangen habe, als Grafiker freie Arbeiten neben meinem festen Job anzunehmen, war mir noch nicht bewusst dass und warum regional unabhängiges Arbeiten für mich eine große Rolle spielt. Auch wenn die Vorstellung vom „Arbeiten am Strand“ damals schon recht klischeehaft war, lässt sie mein Bedürfnis erahnen, nicht 8 Stunden am Tag, für mehrere Jahre, in ein und demselben Büro sitzen zu wollen.

Neben ein paar ausgleichenden Dienstleistungen, bei denen ich vor Ort sein muss, hab ich – mal mehr, mal weniger bewusst – versucht, den Großteil meiner Arbeit regional unabhängig leisten zu können. Ich glaube, das habe ich auch weitestgehend hinbekommen. Aber was bringt es mir, wenn ich von überall arbeiten kann, es aber nicht tue. Auch wenn manchmal das Wissen um die Option bereits das Bedürfnis stillen kann, so möchte ich dies dennoch auf die Probe stellen.

Möglichkeiten

Ich bin mir nicht sicher, wann ich das erste Mal den Gedanken hatte einen Tapetenwechsel dieser Art zu wagen. Es gab Zeiten, da hab ich nach Schrebergärten geguckt, weil mir die Vorstellung gefallen hat, quasi in der Natur zu sitzen und von dort aus ab und an mal zu arbeiten. Dann gab es die Idee mit einem One-Way-Ticket nach Thailand zu fliegen, wahrscheinlich weil mir in Hamburg gerade die Decke auf den Kopf gefallen ist und ich einfach nur weit weg wollte. Dann hab ich die Möglichkeit des „House Sitting“ entdeckt: Während andere Menschen im Urlaub oder aus anderen Gründen eine längere Zeit nicht zu Hause sind, passt man auf deren Haus auf. So hat man eine kostenlose Unterkunft und kann von dort aus arbeiten.

Am Ende hat mich dann aber eine Art besonders fasziniert: In einem Camper zu arbeiten und zu leben. Es gibt unzählige Personen, Geschichte und Blogs über Menschen, die es machen. Mit der von den Vannomaden konnte ich mich am ehesten identifizieren. Ich glaube, diese gab mir den finalen Schubs um es einfach mal auszuprobieren.

In Frage stellen und überprüfen

Ich muss es ja nicht gleich übertreiben. Wer weiß ob der Drang nicht von all den gefilterten Bildern, Motivations-Zitaten und Urlaubs-Videos geschürt wurde, denen ich über soziale Medien ausgesetzt bin. Wenn früher die Werbung einem eingetrichtert hat, was wir nicht alles besitzen müssen um ein erfülltes Leben zu führen, so scheint es heute so zu sein, dass wir mit Aussagen infiltriert werden, wie „weniger Arbeiten“, „mehr Reisen“, „weniger besitzen“, „frei und unabhängig sein“ und ähnliche. Ich weiß, dass ich mich sehr solche Aussagen aussetze und wie in einem Teufelskreis auch danach lechze. Daher muss ich dieses Bedürfnis in Frage stellen und überprüfen. Aber nicht gleich alles über Bord werfen.

Entscheidung

Ich hab mich also entschieden, mir einen Camper zu kaufen und eine Zeit lang von unterwegs zu arbeiten. Manche Entscheidungen muss ich schnell umsetzen, bevor ich zu viel drüber nachdenke und Argumente dagegen finde um meine Komfort-Zone nicht verlassen zu müssen. Manch einer sagte „Miete Dir doch erstmal einen Camper und teste das einzwei Wochen.“

Ich kann mich oft nicht entscheiden, weil ich erstmal Informationen abwarte umso objektiv wie möglich – und damit vermeintlich richtig – eine Entscheidung treffen zu können. Aber in den meisten Fällen, in denen ich dann doch mal aus dem Bauch heraus, mit wenig Information – vielleicht auch naiv – entschieden habe, wurde ich damit belohnt, dass es richtig war. Und wenn es falsch war, hab ich es wenigsten ausprobiert und meine eigene Erfahrung gesammelt.

Es hat dann zwar doch noch einige Wochen gedauert, bis ich mir einen Camper gekauft habe. Aber in meinem Kopf war die Entscheidung getroffen und alles ganz klar. Der Prozess des Kaufens war dann nur noch ein kleiner Schritt. Auch wenn dieser natürlich für Außenstehende der Entscheidende war.

Teilzeitnomade

Mein „Büro“ – womit ich die Dinge meine, die ich zum arbeiten benötige – war eh schon recht übersichtlich: Computer. Strom. Internet. Telefon. Erstaunlich wie oft ich in letzter Zeit noch einen Drucker benötigte. Aber ich will es einfach nicht wahrhaben und ignoriere diese Tatsache und versuche mit allen Mitteln „das Papierlose Büro“ umzusetzen.

Die Vorbereitungen, um in meinem Camper arbeiten zu können, reduzierten sich dadurch darauf, mir ein neues Netzteil für meinen Laptop zu besorgen, welches ich in die Zigaretten-Anzünder-Buchse (12-Volt-Anschluss) stecken kann. Einen LTE-Router in den ich eine SIM-Karte stecke um mein eigenes WLan aufzubauen. Und einen Nachsendeauftrage meiner Post an ein Unternehmen, welches diese für mich einscannt und mir als PDF per E-Mail schickt.

Der Test

Da ich zu einem bestimmten Zeitpunkt noch mal in Hamburg sein muss, sehe ich die Zeit davor als kleinen Test. Ursprünglich wollte ich nach Norwegen. Dadurch, dass sich der Camper-Kauf doch etwas verzögert hatte, blieb mir dafür zu wenig Zeit. Ich möchte für Norwegen gerne mehrere Wochen Zeit haben. Aus Norwegen wurde dann Dänemark. Doch dann musste ich doch länger auf mein zu reparierendes Handy und die neue SIM-Karte warten als gedacht.

So wurde aus Dänemark erstmal Buxtehude. Ganze 45 Minuten von zu Hause entfernt. Damit ich mein Handy und die SIM-Karte holen kann, wenn sie denn mal ankommen. Wahrscheinlich spielte mein Verstand, der es ja berechenbar mag und sich gegen neue Erfahrungen sträubt, auch eine gewisse Rolle. Ich war schon immer ganz gut darin, mich selbst zu verarschen.

Nach 2 Nächten wollte ich weiter. Ich sah mir im Internet Camping-Plätze an. Ich hab Preise verglichen, Fotos angeschaut, Bewertungen gelesen, Wetter-Daten abgerufen, Entfernungen gemessen, Satelliten-Bilder studiert. Nach 2 Stunden hab ich mir an den Kopf gefasst, dass es doch nicht wahr sein kann, dass ich so lange brauche, um mich für einen neuen Platz zu entscheiden. Dann hab ich alle offenen Tabs mit all den Informationen geschlossen und mich für den Platz entschieden, zu dem ich ursprünglich wollte, nachdem ich den Camper gekauft hatte: 1 Stunde Richtung Osten die Elbe runter. Nach Drage.

Da sitze ich jetzt. Mit meinem Laptop auf dem Camping-Tisch, mit Blick auf einen kleinen Strand. WLan für 3 Euro pro Tag und Strom von der Säule, den mein Vorgänger nicht aufgebraucht hat. Der Test verläuft soweit ganz gut. Ich merke, was ich noch benötige, was gut funktioniert und was nicht. Eine Nacht bleibe ich noch. Danach gönn ich meiner Vernunft noch ein paar Tage „klassische“ Arbeit – ich wurde für drei Tage von einer Agentur gebucht. Gehe noch anderen Terminen wie Zahnarzt, Friseur und einer Hochzeit nach. Aber dann geht es hoffentlich endlich los: Ich möchte es innerhalb von zwei Wochen nach Portugal schaffen.

Fotos

Ein Woche später sollte es dann endlich losgehen:

Park der Gärten in Bad Zwischenahn

Nicht verfügbar
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4 Antworten auf „Tapetenwechsel“

  1. Moin von einem der noch in Hamburg hängt. Klasse das du dass machst und halte uns schön auf dem laufenden.

    Was für spätere Beiträge interessant wäre (oder wenn du einfach nicht weißt was du schreiben sollst) was ist deine Ausrüstung auf dieser Tour. Angefangen vom Auto, Inventar, Klamotten, Gadgets, etc.

    Am besten einen neuen Menüpunkt dazu machen und (falls verfügbar) mit Amazon Affiliate versehen, so kommt noch etwas Kohle rein vom quaasi zeigen mit was du Unterwegs bist und warum.

    Leute wollen Tipps wie was du machst wenn du mit dem Van unterwegs bist – nur mal so als Tipp. 😉

    Hau rein, lass dir Zeit und genieße die Tour. 🙂

    VG Elias

    1. Danke für den Hinweis Elias!
      Das kommt natürlich alles noch. Aber einen neuen Blog – vor allem eine frische Domain – sollte man nicht gleich mit Affiliate-Links versehen, wenn man Google einen Gefallen tun will 😉 #SEO
      Da ich ja auch noch blutiger Anfänger im „Van Life“ bin, bin ICH eher auf der Suche nach Tipps. Aber natürlich werde ich von meinen Erfahrungen, Tools und Prozessen berichten.

  2. Hey Arne,
    das klingt mega cool und aufregend. Ich wünsche dir viele wunderbare Momente, der Mut wird bestimmt belohnt!
    Bin gespannt auf mehr Bilder vom Van und dem Van Life. 🙂

  3. ArneBanane !! Großartige Idee !
    Ich finde es ganz toll ! Bin ab sofort dabei – ich lese ?
    …jetzt weiß ich auch endlich, was Dein Kennzeichen bedeutet ??
    Gute Fahrt & bleib gesund !!
    Liebe Grüße

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