Scheiß auf Planung. Es lebe die Planung.

Als ich Vorgestern den Satz „Ich muss ja mal ein paar Kilometer reißen, sonst schaff ich es ja nie bis zum 16. (heute ist der 5.) im Süden von Portugal zu sein.“ schrieb, war mir noch nicht bewusst, welche Tragweite dieser haben sollte.

Es gibt Situationen in denen ich eine Unruhe verspüre, die für Unzufriedenheit sorgt. Und das war am darauffolgenden Tag der Fall. Ich bin nach Brügge gefahren, hab mir die Stadt angeschaut aber war unentspannt und unruhig. Ich konnte die Stadt nicht wirklich genießen und schöne Foto-Motive fand ich dadurch auch nicht. Dann hatte ich auch nur ein Park-Ticket für eine Stunde gelöst, was die Situation noch erschwert hat.

Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, woran es lag: Das Gefühl stieg auf, dass die Zeit weg rennt. Ich hatte ja bisher keinen Plan, wie ich reisen werde. Nur, dass ich zwei Wochen Zeit habe, nach Portugal zu kommen. Das sollte ja genug Zeit sein um sich hier und da mal eine Stadt anzusehen. Aber stimmt das wirklich? Der Blick auf die Landkarte und die ablaufenden Tage, die mir bleiben sollten, haben mich nervös gemacht. Nicht unbedingt berechtigt – aber genau da liegt das Problem:

Ich hatte nichts Greifbares um mir zu zeigen, dass es locker in dieser Zeit zu schaffen ist. Ich brauchte ein paar Fakten und einen Plan zur Orientierung. So hab ich mich Abends hingesetzt, mit Notizbuch, Google-Maps, Kalender und dem Stellplatz-Radar. Ich hab‘ eine Route geplant und mir aufgeschrieben, wann ich spätestens wo sein muss um es zu schaffen.

  • Le Havre. Spätestens: Sonntag. Schön wäre: Freitag. Fahrt: mind. 4 Stunden.
  • La Rochelle. Spätestens: Montag. Schön wäre: Sonntag. Fahrt: mind. 6 Stunden.
  • Bilbao. Spätestens: Dienstag. Schön wäre: Montag. Fahrt: mind. 6 Stunden.
  • Léon. Spätestns: Mittwoch. Schön wäre: Dienstag. Fahrt: mind. 5 Stunden. Plan B (falls es bis hierhin eng wird): Mit einer Übernachtung direkt nach Silveira
  • Porto. Spätestens: Donnerstag. Schön wäre: Mittoch. Fahrt: mind. 4 Stunden.
  • Silveira. Spätestens: Freitag. Samstag früh Ver- & Entsorgung.

Ich bin ja kein großer Fan vom Planen und Vorbereiten. Ich mag es, einfach los zu fahren. Nicht lange abwägen – naiv sein und machen. Aber es kommen dann doch immer wieder mal Momente in denen ich nervös werde und die Panik aufkommt. Einfach, weil ich auch weiß, dass ich etwas schusselig bin und Dinge vergesse. Und zusätzlich auch ein schlechtes Zeitgefühl habe und manchmal so viele Dinge an einem Tag machen will, wo anderen sofort klar ist, dass das zeitlich überhaupt nicht drin ist.

Da muss ich mir dann selbst eingestehen, dass mir ein grober Plan hilft. Die kleinen Schritte, die notwendig sein müssen um das Ziel zu erreichen.  Nicht zu genau. Mit Spielraum. Und einem Plan B. Gerade so, dass mein Unterbewusstsein zufrieden ist und mir wieder Freiraum gibt.

Der Weg ist das Ziel. Lebe den Tag. Und wie die ganzen Sprüche heißen, die gegen einen Plan sind. Genauso viele Sprüche gibt es, die hervorheben wie wichtig es ist, ein Ziel zu haben. Hier muss Jeder für sich entscheiden, wie viel Freiraum, wie viel Plan, wie viel Ziel notwendig sind, um entspannt zu sein.

Ich merke diese Art der Unzufriedenheit immer wieder mal in unterschiedlichen Situationen. In den meisten Fällen, liegt es daran, dass das Bild nicht besonders klar ist und dadurch unterbewusst das Problem viel größer erscheint, als es ist. Jedes mal hilft es mir, mich hinzusetzen und Klarheit zu schaffen:

  • Arbeit: Kunden-Anfragen die darauf warten umgesetzt zu werden lösen Gedanken aus, dass ich das alles gar nicht schaffe in der und der Zeit. Manchmal reicht eine ToDo-Liste. Manchmal muss ich diese noch in meinen Kalender übertragen um zu wissen wann ich was mache und alles ist wieder entspannt.
  • Geld: Konten die sich schneller leeren als sie sich füllen lösen Gedanken aus, dass ich mehr arbeiten muss um mehr Geld zu verdienen. Dann nehm‘ ich mir die Zeit und mache meine Buchhaltung und meine umfangreiche Excel-Liste und die Zahlen zeigen mir schwarz auf weiß, wo ich stehe und alles ist wieder entspannt.
  • Tagesplanung: Zu viele Dinge, die ich vermeintlich gar nicht schaffe machen mich nervös. Eine genau Tagesplanung mit Uhrzeit – und alles ist wieder entspannt.

Auf der anderen Seite merke ich auch, dass mich gewisse Pläne einengen und mir die Luft zum atmen nehmen. Bloß nicht konkret werden. Kein Kommittent. Halt die ganze Alle-Optionen-Offen-Halten-Scheiße die meine Generation plagt. Deswegen tue ich mich ja so schwer damit. Ein Zwiespalt den es gilt, sehr fein aufzugliedern um zu spüren, wann ein Plan welcher Art notwendig ist.

Scheiß auf Planung. Es lebe die Planung.

 

3 Replies to “Scheiß auf Planung. Es lebe die Planung.”

  1. Wer immer auf dem Sprung ist, darf nicht vergessen, dass er immer mit sich selber fortspringt.

    Das Jetzt ist die einzige Zeit und das Hier ist der einzige Ort.

    Mensch, werde wesentlich.
    (Herz öffnen statt Kopf zerbrechen…)

  2. Der Tipp sich seine Zahlen in angespannten Zeiten deutlich zu machen ist Goldwert. Mache Dich nicht verrückt und sei dankbar für die tollen Momente und Erlebnisse.

    Beste Grüße
    Flo

    PS. Ich freue mich wenn Du wieder im Co-Working Space am Start bist!

  3. Ich kenne dieses Problem beim Reisen mit dem Bus. Mein bestes Beispiel sind meine Deutschlandtour und Australien. Letzteres waren knapp 5000 km. Man will viel sehen, man will frei sein, muss aber auch weiterkommen. Ich finde es hilft fokussiert zu bleiben. Sich frei machen davon alles sehen zu müssen, alles kennen zu wollen. Lieber zwei Tage intensiv an einem Ort und dafür den nächsten Auslassen. Man kann nicht alles im Leben erreichen|sehen|machen und ansonsten hat man überall nur flüchtige gehetzte Einblicke ohne Substanz.

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